Gerhart-Hauptmann-Museum
in der Villa Lassen
Gerhart-Hauptmann-Museum in der Villa Lassen

Gerhart Hauptmann


Schriftsteller und Nobelpreisträger

Geboren am 15. November 1862 in Schlesien, mit dem er sich lebenslang verbunden fühlte, gab es in seinem Leben drei Pole, die ihn prägten und anzogen: das Riesengebirge, Italien und die Ostsee. Die Großstadt Berlin war Ausgangspunkt und Bestätigung seiner künstlerischen Erfolge, sie machte ihn berühmt. Aber gelebt hat er in Großstädten nie über längere Zeit. Er war sein Leben lang ein wissbegieriger und nachhaltig genießender Reisender.

Eigentlich wollte Hauptmann Bildhauer werden, besuchte die Kunstschulen in Breslau und Dresden und ließ sich von der griechischen und römischen Antike in Italien inspirieren, hörte aber auch Vorlesungen zu Philosophie, Naturwissenschaften und Geschichte in Jena und Berlin und nahm Schauspielunterricht. Als er mit 23 Jahren heiratete, hatte er keinerlei Abschlüsse, war auf der Suche nach seiner künstlerischen Begabung, nach dem eigenen Weg. Die Heirat mit Marie Thienemann, einer reichen Dresdener Kaufmannstochter, ermöglichte finanzielle Sicherheit. So konnte er sich eine Existenz als freier Schriftsteller aufbauen. 1889 wurde er ‚über Nacht berühmt' durch die skandalbegleitete Uraufführung seines ersten Dramas „Vor Sonnenaufgang" am Berliner Lessingtheater. Begeisterung und Ablehnung waren gleich groß. Theodor Fontane erspürte das Talent Hauptmanns, er schrieb, dass „die Neuheit und Kühnheit der Probleme, die kunstvolle Schlichtheit der Sprache, die Gabe der Charakterisierung und dabei konsequenteste Durchführung der Handlung" das Stück auszeichnete und nannte Hauptmann einen stilvollen Realisten von Anfang bis Ende. Da war er gerade 27 Jahre. Frühzeitig ist er in die Rolle eines Repräsentanten geraten, den viele Gruppen für sich reklamierten. Letztlich ist er aber eigene Wege gegangen, nach "seinem innerem Gesetz".

Als einer der bedeutendsten deutschen Dramatiker und wichtigster Vertreter des naturalistischen Dramas an der Schwelle des 20. Jahrhundert gefeiert, überwand er in seinen großen Dramen den vom Naturalismus proklamierten Determinismus von Milieu, Vererbung und Zeitumständen durch echte, realistische Menschendarstellung. Seine sinnliche, vitale Fantasie ohne philosophische und intellektuelle Abgehobenheit und die Grundthemen seiner Werke - Not des einzelnen und soziales Elend der Massen, Zerfall der Familie und der Kleinbürgerwelt, Hochmut der Bürokratie, Streben und Leiden des Künstlers, und immer wieder der unterdrückte und abhängige, an seiner eigenen Triebhaftigkeit oder der Teilnahmslosigkeit der Umwelt zugrunde gehende Mensch - machen bis heute die Aktualität, Brisanz und Spielbarkeit seiner Stücke aus. Sagen-, Mythen- und Märchenspiele mit symbolischen und Traumvisionen, z. T. in Versen, ebenso wie Stücke mit historischen und antiken Stoffen finden sich in seinem Werk. In den Romanen und Erzählungen vermischen sich oft Dichtung und Autobiographie, was die Lektüre spannend macht. Weniger erfolgreich hat er sich in der Lyrik versucht, doch gibt es auch dort Bleibendes.

Gerhart Hauptmann gelang es mit seiner opportunistisch geprägten Grundhaltung in vier Staatsgefügen - dem Kaiserreich, der Weimarer Republik, dem Nationalsozialismus und dem Nachkriegsdeutschland - nicht nur relativ unbehelligt zu leben, sondern anerkannt, verehrt und gespielt zu werden. Hohe Auszeichnungen wurden ihm zuteil, 1912 erhielt er den Nobelpreis für Literatur, viele andere Preise (Goethe-Preis 1932, Grillparzer-Preise) folgten, er war mehrfacher Ehrendoktor.

In den 20er Jahren wurde Hauptmann zur Repräsentationsfigur der Weimarer Republik, nachdem der letzte Kaiser noch den "Rinnsteinpoet[en]" in ihm sah. Das Nazi-Regime hat ihn nicht gebilligt, aber geehrt, ausgewählte Stücke wurden gespielt. Nach Kriegsende sollte er den Ehrenvorsitz des Kulturbundes in Berlin übernehmen, sein Tod kam dem zuvor.

Im geteilten Deutschland wurde er im Osten wie im Westen gespielt und gedruckt, eben weil seine Werke Grundthemen des menschlichen Lebens, Leidens und Glücksuchens aufgreifen. Sein Werk wurde in 40 Sprachen übersetzt, eine Gesamtausgabe mit allen nachgelassenen Schriften erschien erst 1962, die Ausgaben der Briefe und Tagebücher sind bis heute nicht abgeschlossen. Am Beginn des 21. Jahrhunderts erleben seine Stücke wieder eine Renaissance auf den Theaterbühnen.

 

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Liebesbrief adé?
In digitalen Zeiten, im Alltag dominiert von SMS, e-mail und
Twitter, scheint auf den ersten Blick kein Platz für dieses handgeschriebene Etwas zu sein, in dem sich Menschen öffnen, bekennen und manchmal auch verlieren.
Ein Relikt, wie aus der Zeit gefallen? Das immer wieder beschriebene und doch nicht zu beschreibende Mysterium, das uns begegnet, meist unerwartet, uns öffnet für einen anderen Menschen und uns hilft, die Welt zu erklären und die
Wahrheit zu ertragen, findet seinen unmittelbaren Ausdruck
dort, wo irgendwann die Sprachlosigkeit den Höhepunkt
erreicht hat - in einem Liebesbrief.

Mit der Kraft der Poesie, der Begeisterung, des Beschwörens,
des Begehrens, des Leidens, des Humors und der Erotik entstehen persönliche Kostbarkeiten, die uns begleiten und die wir an intimen und sehr privaten Orten bewahren; manche für Jahre, andere ein ganzes Leben.
Und dann gibt es noch die Briefe, geschrieben, aber nie verschickt, die tief in Schubkästen schlummern, die nie vergessen wurden und nun Erinnerungen sind an das nämliche Gefühl.
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  • 31. Juli 2016

    Sonntagsführung im Museum

    Öffentliche Führung


  • 20. August 2016

    Mit dem Fahrrad auf Gerhart Hauptmanns Spuren

    Radwanderung